Auf nach Texas – noch mehr Mustang Magie erleben!
Von Oregon nach Texas – schon die Strecke fühlt sich an wie ein kompletter Szenenwechsel. Mit viel Glück ist unser Flieger einer der wenigen, welcher an diesem Morgen in Reno abheben darf. Ein Schneesturm legt einen Großteil der USA lahm. Und trotzdem nehmen wir dieses vertraute Gefühl mit, das uns durch die gesamte Reise begleitet: dieses Kribbeln, wenn man weiß, dass an diesem Tag wieder echte Mustang-Geschichten entstehen.
Unser Ziel ist Fort Worth – Mustang Magic im Rahmen der Stock Show. Wir freuen uns riesig darauf, vor Ort nicht nur unsere Eventpferdetrainerin Grace Thompson zu treffen, die in der Adults Trainer Competition startet, sondern auch eine ganz besondere junge Pferdetrainerin: Eloise, 13 Jahre. Auf ihr Pferd sind wir schon einige Wochen vorher aufmerksam geworden – und manchmal spürt man es einfach sofort: Da passiert etwas, das man sehen und erleben möchten. Und wir stellen uns die Frage: Wie kann es sein, dass so junge Mädchen bereits Wildpferde trainieren und diese auf ein Leben in Menschenhand vorbereiten?
Youth Challenge
Eloise nimmt an der Youth Challenge in Fort Worth teil. Dafür durfte sie ihren Mustang bereits ab Mai 2025 adoptieren und ihn über rund ein Dreivierteljahr begleiten. Ihre Stute heißt Bananas: eine Cremello Stute mit blauen Augen. Bereits im Vorfeld haben wir viele Videos von den beiden verfolgt und sind nun gespannt wie die beiden den Wettbewerb absolvieren. Bananas ist super menschenbezogen, einwenig aufdringlich– aber genau das macht sie so ehrlich. Bananas stammt wie unsere Eventpferde aus der Twin-Peaks-Herde. Diese Herde steht immer wieder im Fokus von Managementmaßnahmen, weil die Bestände in dem Gebiet zeitweise deutlich über dem Zielkorridor liegen und es dann – vereinfacht gesagt – um das Gleichgewicht zwischen Lebensraum, Ressourcen und Tierwohl geht.
Was uns an der Youth Challenge besonders berührt: Man sieht dort nicht nur „talentierte Kids“, man sieht eine Generation, die anders denkt. Wir hatten vor einigen Jahren schon einmal das Glück, eine Youth-Challenge in den USA erleben zu dürfen – aber diesmal fühlt es sich verändert an. Bei den Teens, aber auch bei den jungen Adults. Partnerschaft und Vertrauen sind für viele spürbar wichtiger geworden als reine Platzierungen.
Und genau so erleben wir Eloise mit Bananas: Bananas ist in der Kulisse natürlich etwas „on“. Sie würde sehr gerne einfach mal rennen und toben. Dazu kommt: Auf solchen Events gibt es nicht den Alltag mit Wiese, Auslauf und Ruheinseln, wie man es zu Hause optimalerweise gestaltet. Umso mehr beeindruckt uns Eloise: Sie bleibt ruhig. Nicht streng, nicht hektisch – sondern klar. Sie holt Bananas immer wieder zurück, nimmt Tempo raus, wartet, gibt ihr Raum. Und während wir zuschauen, denken wir: Genau so sollen junge Trainerinnen und Trainer aussehen.
Das Schönste: Bananas hat ihr Zuhause zumindest erst einmal „sicher“. Wir haben sie bereits vor dem Event übernommen. Nicht, weil sie schnell weiterziehen soll – sondern weil wir das Ziel haben, in aller Ruhe das wirklich passende Zuhause für sie zu finden. Ohne Druck. Ohne „muss sofort klappen“. Sondern mit Zeit, die man einem jungen Mustang so gerne geben möchte.
Adult Challenge
Bei den Adults ist das Mustang Magic ein Wettbewerb, eine Prüfung von Ausbildung und Partnerschaft. In diesem Jahr hatten die Trainer-Mustang-Paare rund 140 Tage, um aus einem ehemals wilden Mustang einen verlässlichen Partner zu formen. Und: Zum ersten Mal durften die Trainer ihren Mustang selbst adoptieren und auswählen. Sie konnten also genau das Pferd nehmen, das ihnen zugesagt hat – von Typ, Ausstrahlung und Gefühl her. Das ist ein riesiger Unterschied zu den Jahren davor. Früher wurde entweder zugelost, oder man durfte sich zwar ein Pferd aus einem Pen aussuchen, aber eben der Reihe nach: Welche Startposition man hatte, wurde zuvor ausgelost – hatte man eine späte Nummer, so musste man nehmen was übrig bleibt. Dieses neue System verändert nun alles: Es macht die Teams in den USA stimmiger, nimmt ein Stück Zufall raus – und man merkt im Training wie auch im Finale, dass viele Kombinationen von Beginn an „passen“.
Was uns dabei auffällt: Die Youth-Teams strahlen oft eine ganz natürliche Selbstverständlichkeit aus. Bei den Adults sieht man mehr Routine, mehr Technik, manchmal mehr Ehrgeiz – logisch, da geht es auch um Ranglisten, Preisgelder und eine öffentliche Auktion im Anschluss. Und trotzdem: Der gemeinsame Nenner ist immer derselbe. Man möchte hier etwas für die Mustangs bewegen. Und was ganz besonders bewegend war, ist, dass sowohl die Adults den Teens geholfen haben, als auch umgekehrt – sowohl beim Aufbau als auch bei weiteren Aufgaben hinter den Kulissen. Eine wundervolle Gemeinschaft ist hier rund um die Mustangs gewachsen.
Leider fegte an diesem Wochenende ein heftiger Schneesturm über Texas. Das merkt man nicht nur draußen, sondern auch drinnen: Es kommen deutlich weniger Menschen zum Finale, gefühlt nur ca. 1.000 Personen, die Ränge sind einfach leer. Und trotzdem ist die Stimmung besonders. Ein Event in den USA zu erleben ist so ganz anders als bei uns: Begonnen wird traditionell mit der Nationalhymne – und das Beeindruckende ist, dass alle Besucher aufstehen und die Hymne mitsingen. Hier ist man stolz auf sein Land und die Dankbarkeit wird greifbar, die die Menschen spüren. Es wird gejubelt und geklatscht. Die Unterstützung aus dem Publikum für die Teams ist umwerfend.
Das Finale der Adults ist für viele am Ende der emotionalste Moment. Nach vier Vorprüfungen dürfen nur die 10 Besten ins Finale einziehen – und hier werden die Würfel neu gemischt: In diesem Jahr sind die Teams ausschließlich mit den Punkten der Compulsory Maneuvers ins Finale eingestiegen. Die Trainer bereiten hierfür eine Kür vor, die zeigen soll, was ihr Mustang in diesen rund 140 Tagen gelernt hat – und was ihre Beziehung ausmacht. Die Pferde werden geschniegelt, rausgeputzt und die Trainer selbst erscheinen im Abendkleid oder Kostüm. Man sieht, wie viel Herz in jedem Detail steckt. Wir haben im Finale seht tolle Shows gesehen und mit großer Freude festgestellt, dass die Zeiten in den USA sich geändert haben. Noch vor wenigen Jahren waren wir ebenfalls vor Ort und waren entsetzt über so viel Geziehe und Gezerre am Gebiss, über offene Mäuler, bei fast jedem Stop, den man gesehen hat. Aber jetzt sehen wir vor allem die Nachwuchstrainer mit weichen Händen und viel Gefühl für die Mustangs.
Und nach dem Finale kommt die Auktion. Hier finden die Adult-Mustangs ihr Zuhause – Trotz der wenigen Besucher lagen die Preise an diesem Abend zwischen 2.800 und 20.000 Euro. Summen, die gar nicht so weit weg von dem liegen, was wir auch in Deutschland kennen, in Deutschland muss man eben die 10.000 Euro Import noch hinzurechnen.
Mit 20 km/h fuhren wir an diesem Abend ins Hotel, unser Heimflug war immer noch „on time“. Kaum ein Auto war auf den Straßen Texas zu sehen. Hier gibt es keine Schneeschieber oder Streuer und das Eis und der Schnee bleibt einfach auf den Straßen liegen. Wir hatten Glück und schafften auch am Sonntag früh den Weg zum Flughafen und hoben wenig später ab. So viele Eindrücke durften wir in den vergangenen 7 Tagen aufnehmen, so viele Mustangs dürfen wir jetzt auf dem Weg in eine bessere Zukunft begleiten. Schau gerne mal in unsere YouTube Serie rein, wenn Du noch intensiver unsere Reise begleiten möchtest.