Unser Besuch der Short Term Holding Facility in Litchfield
Der erste Teil unserer diesjährigen USA-Reise führte uns nach Litchfield, Kalifornien, zur dortigen Short Term Holding Facility des Bureau of Land Management (BLM). Rund 500 Mustangs leben aktuell auf dem Gelände – eine Station, in der Pferde untergebracht sind, die auf ihre weitere Vermittlung vorbereitet werden.
Für uns war dieser Besuch ein zentraler Programmpunkt. In Litchfield hatten wir die Gelegenheit, die Pferde für das MUSTANG MAKEOVER 2026 auszuwählen – eine Aufgabe, die wir regelmäßig selbst übernehmen, um individuell passende Pferde für unsere Trainer auszuwählen.
Kompakter als gewohnt – mit spürbaren Unterschieden
Im Vergleich zur Anlage in Burns (Oregon), die wir gut kennen, ist Litchfield deutlich kleiner und kompakter aufgebaut. Schon bei unserer Ankunft wurde klar, dass sich die Abläufe vor Ort in einigen Punkten von anderen Einrichtungen unterscheiden.
Die eigentliche Auswahl der Pferde erfolgte wie gewohnt im Chute. Die Pferde wurden nacheinander durch diesen Sichtbereich geführt, wo wir sie durch kleine Klappen betrachten konnten, die nacheinander geöffnet wurden. Dieser Aufbau ermöglichte es uns, Haltung, Exterieur und Verhalten der Pferde in einem kurzen Zeitfenster einzuschätzen. Alles war zügig organisiert, damit die Pferde so wenig Stress wie möglich erlebten.
Die Twin Peaks Herde – Herkunft der meisten vorgestellten Pferde
Die meisten Mustangs, die uns in Litchfield vorgestellt wurden, stammen aus der Twin Peaks Herd Management Area (HMA)– einem der größten Wildpferdegebiete der Vereinigten Staaten. Das Gebiet erstreckt sich über mehr als 758.000 Acres in Nordkalifornien und Nevada. Es bietet eine vielfältige Landschaft mit Hochwüste, Grasland und steinigen Plateaus.
Die Herde ist genetisch vielfältig geprägt. Ihre Wurzeln reichen zurück zu alten Ranchpferden, aufgegebenen Militärpferden und in Teilen auch spanisch beeinflussten Blutlinien. Die letzten größeren Gathers fanden vor rund eineinhalb Jahren statt – und aus genau diesem Einfang stammen die Pferde, die wir nun auswählen durften.
Mikrochip statt TAG-Nummer – Identifikation im Chute
Im Vorfeld war es uns nicht möglich, die Pferde in den Pens eindeutig zuzuordnen, da viele ihre ursprünglich angebrachten TAG-Nummern verloren hatten. Erst im Chute wurde der Mikrochip jedes Pferdes ausgelesen und so eine eindeutige Zuordnung zur Liste hergestellt. Anschließend wurden neue TAGs vergeben, damit die Tiere im weiteren Verlauf korrekt gekennzeichnet bleiben.
Diese Vorgehensweise verlangte ein hohes Maß an Konzentration – nicht nur wegen des zügigen Ablaufs, sondern auch, weil wir jedes Pferd sorgfältig prüfen wollten.
Auswahl mit Verantwortung – 30 Pferde auf der Liste
Die Auswahl in Litchfield war in diesem Jahr mit klaren Vorgaben verbunden: Wir durften ausschließlich Wallache im Alter zwischen 6 und 13 Jahren in Betracht ziehen. Natürlich freuen wir uns sehr, dass wir genau diesen Pferden eine Chance geben können – gerade weil es oft jene Tiere sind, die in der Vermittlung seltener berücksichtigt werden. Dennoch hätten wir uns gewünscht, aus einer größeren Bandbreite an Altersklassen und Pferdetypen wählen zu können, wie wir es aus früheren Jahren gewohnt sind.
Im Vorfeld waren uns bereits einige Pferde in den Pens besonders aufgefallen. Ihre Erscheinung, ihr Ausdruck oder ihre Körperhaltung hatten sofort unsere Aufmerksamkeit geweckt. Doch bei der detaillierten Betrachtung im Chute mussten wir bei mehreren dieser Tiere schweren Herzens eine Entscheidung gegen sie treffen: Ihr Stresslevel war deutlich erhöht, sie wirkten angespannt oder überfordert.
Gerade im Hinblick auf den langen Flug und die umfassende Umstellung, die ein Import nach Deutschland bedeutet, ist es für uns entscheidend, ob ein Pferd mental stabil genug ist, diesen Weg zu gehen. Wir möchten kein Tier überfordern, das dafür noch nicht bereit ist.
Am Ende des Tages nahmen wir 30 Mustangs auf unsere finale Liste – sowohl für das kommende MUSTANG MAKEOVER als auch im Rahmen einer Auswahl für eine Partnerstation in den USA, mit der wir eng zusammenarbeiten. Darunter befand sich auch ein 13-jähriger Palomino-Wallach, der sich durch seine Ruhe, Balance und Ausstrahlung aus der Gruppe hervorhob. Seine Souveränität und Gelassenheit beeindruckten uns nachhaltig – ein Pferd, das uns direkt berührte.
Vorbereitung und Vorfreude
Mit der Auswahl ist der erste Schritt getan. Nun beginnt die konkrete Vorbereitung: Gesundheitsunterlagen, Transportabwicklung, Betreuungskonzepte. Mitte April erwarten wir die Mustangs am Frankfurter Flughafen, wo sie ihren Weg in ein neues Leben beginnen werden.
Wir freuen uns sehr auf die kommenden Monate. Mit den ausgewählten Pferden, ihren individuellen Eigenschaften und der Unterstützung unserer erfahrenen Trainerteams sehen wir optimistisch dem MUSTANG MAKEOVER 2026 entgegen. Jeder einzelne dieser Mustangs bringt Potenzial mit – für Vertrauen, Entwicklung und ein neues Kapitel.