Hier erfährst Du genau was geplant ist, was mit den Mustangs passiert und wie ihre Zukunft aussehen wird.
Viele von Euch verfolgen seit Jahren, was mit den amerikanischen Mustangs in ihren Herdengebieten geschieht. Dabei begegnen uns immer wieder unterschiedliche Zahlen, Begriffe und Einschätzungen. Gerade bei einer Maßnahme dieser Größenordnung lohnt es sich deshalb, genauer hinzusehen. Was ist tatsächlich geplant, wie viele Pferde sind betroffen und was geschieht mit ihnen, wenn sie ihre Heimat verlassen müssen?
Im Callaghan Complex im US-Bundesstaat Nevada steht ab Juli 2026 eine der größten Wildpferdemaßnahmen des Jahres bevor. Das Bureau of Land Management, kurz BLM, plant, am oder um den 10. Juli mit dem Einfangen der Pferde zu beginnen. Im offiziellen Zeitplan ist die Maßnahme bis zum 31. August 2026 vorgesehen. Der genaue Beginn kann sich allerdings noch verschieben, etwa durch Wetterbedingungen oder organisatorische Abläufe.
Der Callaghan Complex liegt im Lander County und umfasst eine riesige, dünn besiedelte Landschaft im Zentrum Nevadas. Zum Einsatzgebiet gehören die Herd Management Areas Callaghan, South Shoshone und Bald Mountain, der nördlich der US Route 50 gelegene Teil von Hickison sowie die North Shoshone Herd Area. Hinzu kommen Flächen zwischen diesen Gebieten, auf denen sich ebenfalls Pferde und Esel aufhalten.
Insgesamt erstreckt sich das geplante Fanggebiet über rund 1.145.515 Acres. Das entspricht ungefähr 4.635 Quadratkilometern und damit einer Fläche, die größer ist als viele deutsche Landkreise. Die vom BLM veröffentlichte Karte zeigt die Grenzen des gesamten Einsatzgebietes und der einzelnen Herdenmanagementgebiete.
Was genau ist geplant?
Nach dem derzeitigen Plan sollen rund 2.000 Wildpferde eingefangen und aus dem Gebiet entfernt werden. Abhängige Fohlen sind in dieser Zahl bereits enthalten. Auch Esel, die in den Callaghan Complex eingewandert sind, sollen erfasst und entfernt werden. Eine eigene Zielzahl für die Burros nennt das BLM in seiner aktuellen Ankündigung jedoch nicht.
Für den Fang sollen sogenannte Helicopter Drive Traps eingesetzt werden. Dabei werden die Pferde mithilfe eines Hubschraubers in Richtung vorbereiteter Fanganlagen gelenkt. Das BLM erklärt, dass die Maßnahme nach den Vorgaben seines Comprehensive Animal Welfare Program durchgeführt werden soll. Darin sind Regeln für das Einfangen, Verladen, Transportieren und die Versorgung der Tiere festgelegt.

Daneben finden sich in der offiziellen Bestandstabelle für 2026 Zahlen für die einzelnen Herd Management Areas. Dort werden für Callaghan 2.538 Pferde, für South Shoshone 2.430, für Bald Mountain 282 und für Hickison Summit 155 Pferde genannt. Zusammen ergeben diese Angaben 5.405 Tiere.
Auf den ersten Blick wirkt dieser Unterschied erheblich. Die Zahlen lassen sich jedoch nicht unmittelbar miteinander vergleichen. Sie beziehen sich auf unterschiedliche Zeitpunkte und teilweise auf unterschiedliche Flächen.
Für den gesamten Callaghan Complex hat das BLM eine sogenannte Appropriate Management Level, kurz AML, von 323 bis 552 Wildpferden festgelegt. Diese Zielspanne beschreibt aus Sicht der Behörde die Zahl an Tieren, die langfristig in dem Gebiet leben soll. In die Berechnung fließen unter anderem die verfügbaren Wasserstellen, die Vegetation, die Lebensräume anderer Wildtiere und weitere Nutzungen der öffentlichen Flächen ein.
Der Abstand zwischen dem geschätzten aktuellen Bestand und dieser Zielspanne ist groß. Selbst nach der Entfernung von rund 2.000 Pferden würde die Zahl der Tiere noch deutlich über der festgelegten AML liegen. Das BLM bezeichnet die geplante Maßnahme deshalb ausdrücklich als einen Schritt in Richtung der Zielpopulation und nicht als deren vollständige Erreichung.
Damit wird auch deutlich, dass der Gather im Sommer 2026 voraussichtlich nicht die letzte Maßnahme im Callaghan Complex sein wird. Der im Februar 2026 genehmigte Managementplan bildet die Grundlage für weitere Eingriffe in den kommenden Jahren. Möglich sind zusätzliche Fangaktionen, weitere Entnahmen und zu einem späteren Zeitpunkt auch Fruchtbarkeitskontrolle.
Warum sollen die Pferde überhaupt entfernt werden?
Natürlich stellt sich bei einer Maßnahme dieser Größenordnung die Frage, warum so viele Pferde aus dem Gebiet entfernt werden sollen. Das BLM nennt dafür mehrere Gründe. Nach Angaben der Behörde reichen die vorhandenen Wasserressourcen nicht aus, um die derzeitige Zahl an Pferden und Eseln dauerhaft zu versorgen. Außerdem soll eine weitere Verschlechterung der Vegetation und der öffentlichen Weideflächen verhindert werden.
Darüber hinaus verweist das BLM auf den Schutz anderer Wildtierarten und ihrer Lebensräume. Genannt werden unter anderem Beifußhühner, Gabelböcke und Maultierhirsche. Auch die Verkehrssicherheit spielt nach Angaben der Behörde eine Rolle. Wildpferde sollen sich wiederholt im Bereich der Nevada State Highway 305 aufhalten und dort ein Risiko für die Tiere und für Verkehrsteilnehmer darstellen.
Nach dem Fang sollen die Pferde in zwei staatliche Auffanganlagen in Nevada gebracht werden. Ein Teil der Tiere kommt nach Palomino Valley bei Reno, ein weiterer Teil nach Indian Lakes bei Fallon. Dort sollen sie tierärztlich untersucht, registriert und für das Adoptions- und Verkaufsprogramm des BLM vorbereitet werden.
Für viele Menschen klingt diese Formulierung zunächst so, als würden die Pferde anschließend schnell ein neues Zuhause finden. Das ist jedoch nicht automatisch der Fall. Die Aufnahme in das Adoptions- und Verkaufsprogramm bedeutet zunächst, dass die Tiere Teil des staatlichen Unterbringungs- und Vermittlungssystems werden. Wie viele der rund 2.000 Pferde tatsächlich adoptiert oder verkauft werden können und wie lange einzelne Tiere in staatlicher Haltung bleiben, lässt sich derzeit nicht sagen.
Während des Einsatzes will das BLM an bestimmten Tagen öffentliche Beobachtungen ermöglichen. Die Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich, und die Besucher werden zu festgelegten Beobachtungspunkten gebracht. Außerhalb dieser Termine soll das Einsatzgebiet vorübergehend für die Öffentlichkeit geschlossen bleiben.
Zusätzlich hat das BLM angekündigt, während des Gathers tägliche Berichte zu veröffentlichen. Dort sollen die Zahl der eingefangenen Stuten, Hengste und Fohlen, die transportierten Tiere sowie mögliche Verletzungen, Todesfälle, Behandlungen und Freilassungen dokumentiert werden. Erst anhand dieser Berichte wird sich nachvollziehen lassen, wie viele Pferde tatsächlich eingefangen wurden und wie der Einsatz verlaufen ist.
Wie sieht die Zukunft aus?
Der Callaghan Gather betrifft rund 2.000 Pferde und damit eine außergewöhnlich große Zahl von Tieren. Gleichzeitig ist er nur ein Teil eines langfristigen Plans, der die Herden im Callaghan Complex auf eine deutlich niedrigere Zielpopulation bringen soll.
Für uns ist wichtig, bei einem solchen Thema nicht nur einzelne Meldungen oder Zahlen weiterzugeben. Die Zusammenhänge sind komplex, und nicht jede Zahl lässt sich ohne Erklärung mit einer anderen vergleichen. Deshalb möchten wir Euch so transparent wie möglich zeigen, was offiziell beschlossen wurde, welche Begründungen das BLM nennt und welche Fragen derzeit noch offenbleiben.
Denn hinter jeder Bestandszahl stehen Pferde, die über Generationen in dieser Landschaft gelebt haben. Für sie bedeutet der Gather nicht nur eine Veränderung ihres Lebensraumes, sondern den vollständigen Verlust ihrer bisherigen Freiheit. Wie viele von ihnen später ein neues Zuhause finden und welchen Weg sie nach dem Fang nehmen werden, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.
Wir werden den Einsatz und die täglichen Veröffentlichungen des BLM weiter verfolgen und Euch darüber informieren, wie viele Pferde tatsächlich eingefangen werden, wie die Maßnahme verläuft und was über ihren weiteren Weg bekannt wird.
Stand der Informationen: 8. Juli 2026
Quellen: Bureau of Land Management, offizieller Einsatzplan 2026, Bestandsdaten 2026, Callaghan Herd Management Area Plan und offizielle Karte des Gather-Gebietes.

